BGH, Beschluss vom 23. Februar 2012 – 1 StR 586/11

HGB §§ 105 ff.; StGB § 266

a) Im Rahmen des § 266 StGB kann eine Schädigung des Gesamthandsvermögens einer Kommanditgesellschaft nur insoweit bedeutsam sein, als sie gleichzeitig das Vermögen der Gesellschafter berührt. Der Senat sieht vorliegend keine Veranlassung, von dieser gefestigten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (z.B. BGH, Beschluss vom 30. August 2011 – 2 StR 652/10; Urteil vom 18. Juni 2003 – 5 StR 489/02; Urteil vom 20. Januar 2000 – 4 StR 342/99; Beschluss vom 22. Februar 1991 – 3 StR 348/90; Urteil vom 17. März 1987 – 5 StR 272/86; Urteil vom 29. November 1983 – 5 StR 616/83 jeweils m. w. N.; ebenso: BGH, Urteil vom 17. März 1987 – VI ZR 282/85, BGHZ 100, 190, 192), die auch vom Schrifttum geteilt wird (z.B. Perron in Schönke/Schröder, StGB, 28. Aufl., § 266 Rn. 21; Kühl in Lackner/Kühl, StGB, 27. Aufl., § 266 Rn. 3; Fischer, StGB, 59. Aufl., § 266 Rn. 113; Wittig in BeckOK-StGB, § 266 Rn. 11; Saliger in Satzer/Schmitt/Widmaier, StGB, § 266 Rn. 19; Maurer/Odörfer, GmbHR 2008, 413, 414; Schulte, NJW 1984, 1671; a.A. Schäfer, NJW 1983, 2850; Richter, GmbHR 1984, 146), abzuweichen. Geschädigter i. S. d. § 266 StGB kann nur ein mit dem Täter nicht identischer Träger fremden Vermögens sein, sei es eine natürliche Person, sei es eine juristische Person, der eigene Rechtspersönlichkeit zukommt (BGH, Urteil vom 20. Januar 2000 – 4 StR 342/99; BGH, Urteil vom 24. Juli 1991 – 4 StR 258/91; BGH, Urteil vom 29. November 1983 – 5 StR 616/83).

b) Eine in diesem Sinn eigene Rechtspersönlichkeit wird der Kommanditgesellschaft – kommt sie als verselbständigtes Gesamthandsvermögen einer juristischen Person auch sehr nahe – nicht zuerkannt (vgl. BGH, Urteil vom 24. Januar 1990 – IV ZR 270/88, BGHZ 110, 127; BGH, Urteil vom 16. Februar 1961 – III ZR 71/60, BGHZ 34, 293, 296).

c) Der Geschäftsführer der Komplementär-GmbH hat gegenüber dieser und gegenüber den Kommanditisten eine Vermögensbetreuungspflicht (vgl. Perron in Schönke/Schröder, StGB, 28. Aufl., § 263 Rn. 25; Waßmer in Graf/Jäger/Wittig, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, § 266 StGB Rn. 49).

d) Da für die Frage des Nachteilseintritts bei einer Kommanditgesellschaft nicht allein auf die Gesellschaft, sondern auf das Vermögen der einzelnen Gesellschafter abzustellen ist (BGH, Beschluss vom 30. August 2011 – 2 StR 652/10; BGH, Urteil vom 3. Mai 1991 – 2 StR 613/90), sind bei einer personalisiert strukturierten Gesellschaft – wie etwa OHG oder KG – daher als Verletzte deren Gesellschafter anzusehen (BGH, Beschluss vom 6. Juli 1999 – 4 StR 57/99). Deren Einverständnis schließt die Annahme von Untreue aus, soweit sie selbst betroffen sind (BGH, Beschluss vom 22. Februar 1991 – 3 StR 348/90). In gleicher Weise kann bei einer Kommanditgesellschaft der veruntreuende Gesellschafter selbst, soweit sein Gesellschaftsanteil betroffen ist, nicht Geschädigter einer von ihm begangenen Untreue sein (BGH, Beschluss vom 30. August 2011 – 2 StR 652/10). Auch hinsichtlich eines Kommanditisten, der in einer gemäß § 247 StGB privilegierten Beziehung zum Angeklagten stand bzw. steht, scheidet eine Untreue zu dessen Nachteil bei Fehlen eines form- und fristgerechten Strafantrags aus (vgl. BGH, Urteil vom 3. Mai 1991 – 2 StR 613/90; BGH, Urteil vom 26. Februar 1987 – 1 StR 5/87).

Schlagworte: Geschäftsführer, Gesellschafter, Kommanditist, Personengesellschaft, Schadensersatzanspruch, Vermögensbetreuungspflicht, Vermögensdelikte

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