BGH, Urteil vom 14. Mai 2013 – II ZR 176/10

GmbHG §§ 30, 31, 60, 70, 72

a) Der Grundsatz der Kapitalerhaltung, die Zweckwidmung des Gesellschaftsvermögens sowie das Gebot der Gleichbehandlung aller Gesellschafter schließen einen Anspruch des Gesellschafters auf Leistung von Schadensersatz an sich persönlich wegen einer Minderung des Werts seiner Beteiligung, die aus einer Schädigung der GesellschaftBitte wählen Sie ein Schlagwort:
Gesellschaft
Schädigung der Gesellschaft
resultiert, im Regelfall aus. Vielmehr kann ein Ausgleich dieses mittelbaren Schadens nur dadurch erfolgen, dass der Gesellschafter die Leistung von Schadensersatz an die Gesellschaft verlangt (BGH, Urteil vom 10. November 1986 – II ZR 140/85, ZIP 1987, 29, 32 f.; Urteil vom 29. Juni 1987 – II ZR 173/86, ZIP 1987, 1316, 1319; Urteil vom 11. Juli 1988 – II ZR 243/87, BGHZ 105, 121, 130 f.; Urteil vom 21. März 2013 – III ZR 260/11, ZIP 2013, 781 Rn. 35 zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen; siehe ferner Urteil vom 19. Januar 1987 – II ZR 158/86, ZIP 1987, 444, 446).

b) Der Grundsatz, dass wegen der Interessen der Mitgesellschafter, der Gesellschaft und ihrer Gläubiger mit der Gesellschafterklage nur eine Leistung an die Gesellschaft begehrt werden kann, gilt auch dann, wenn die Gesellschaft durch Eröffnung des Insolvenzverfahrens aufgelöst wird (§ 60 Abs. 1 Nr. 4 GmbHG) und nach Erfüllung der Verbindlichkeiten etwa noch vorhandenes Vermögen an die Gesellschafter zu verteilen ist, §§ 70, 72 GmbHG (vgl. BGH, Urteil vom 29. November 2004 – II ZR 14/03, ZIP 2005, 320, 321 f.).

c) Wenn durch ein schädigendes Ereignis der Gewinn der Gesellschaft geschmälert wird, liegt lediglich ein sich typischerweise mittelbar beim Gesellschafter realisierender Reflexschaden vor.

d) Wegen eines nur mittelbaren Schadens kann der Gesellschafter den Schädiger, auch wenn es dabei um eine Schädigung durch Verletzung der gesellschafterlichen Treuepflicht durch einen Mitgesellschafter geht, nur auf Leistung an die geschädigte Gesellschaft in Anspruch nehmen. Auch unter dem Gesichtspunkt der actio pro socio, bei der ein Gesellschafter einen Mitgesellschafter im eigenen Namen und im eigenen Interesse in Anspruch nehmen kann (vgl. BGH, Urteil vom 16. Mai 1990 – II ZR 125/89, WM 1990, 1240, 1241; Urteil vom 28. Juni 1982 – II ZR 199/81, ZIP 1982, 1203; Urteil vom 22. März 2004 – II ZR 50/02, ZIP 2004, 804, 805 unter 2.b; vgl. ferner BGH, Urteil vom 4. Februar 1991 – II ZR 246/89, ZIP 1991, 582; Urteil vom 16. März 1998 – II ZR 303/96, ZIP 1998, 780, 781; Urteil vom 29. November 2004 – II ZR 14/03, ZIP 2005, 320, 321), ergibt sich nichts anderes; insbesondere lässt sich daraus kein Anspruch des Gesellschafters auf Leistung von Schadensersatz an sich persönlich herleiten.

Schlagworte: actio pro socio, Auflösung, Einzelfälle zur Gesellschafterklage, Gesellschafterklage, Gesellschaftsvermögen, Gleichbehandlung, Insolvenzverfahren, Kapitalerhaltung, Mittelbare Schädigung des Vermögens des Mitgesellschafters, Reflexschaden, Schadensersatzanspruch, Treuepflicht, Treuepflicht in der GmbH

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