BGH, Urteil vom 21. Juni 1999 – II ZR 27/98

GmbHG § 38, 46, 52; AktG § 112; BGB §§ 620, 621, 626

a) Verfügt eine GmbH über einen Aufsichtsrat, ist dieser gemäß § 52 Abs. 1 GmbHG in Verbindung mit § 112 AktG ihr Aufsichtsrat, vertritt dieser die Gesellschaft im Prozess mit einem ausgeschiedenen Geschäftsführer (vgl. nur BGH Urteil vom 22. April 1991 – II ZR 151/90). Eine gegen die Gesellschaft, vertreten durch den Geschäftsführer erhobene Klage ist unzulässig.

b) Der Vertretungsmangel kann jedoch in jeder Lage des Verfahrens dadurch geheilt werden (vgl. BGH Urteil vom 8. September 1997 – II ZR 55/96, WM 1998, 308, 309 m. w. N.), dass der Aufsichtsrat die Prozessvertretung übernimmt und die bisherige Prozessführung genehmigt. Eine solche Genehmigung kann im Zweifel auch konkludent erfolgen (vgl. BGH, Beschluss vom 30. November 1988 – IVa ZB 12/88, NJW 1989, 984 f.).

c) Eine satzungsmäßige Übertragung der grundsätzlich der Gesellschafterversammlung zustehenden Kompetenz zur Änderung oder Aufhebung von Dienstverträgen mit Geschäftsführern (BGH Urteil vom 25. März 1991 – II ZR 169/90, WM 1991, 852, 854) auf den Aufsichtsrat ist rechtlich unbedenklich (BGH Urteil vom 17. Februar 1997 – II ZR 278/95, WM 1997, 1015 m. w. N.).

d) Im Vertrag mit dem Geschäftsführer kann die Anstellung – insoweit abweichend von § 38 Abs. 1 GmbHG – an den Widerruf der Organbestellung gekoppelt werden (vgl. BGH Urteil vom 29. Mai 1989 – II ZR 220/88, WM 1989, 1246, 1247 – Koppelung des Dienstvertrages eines Vorstandsmitglieds einer Aktiengesellschaft an den Widerruf der Organstellung).

Schlagworte: Abberufung, Anstellungsvertrag, Aufsichtsrat, Beschlusszuständigkeiten, Kündigung, Vertretungsbefugnis

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