KG, Urteil vom 20.02.2012 – 8 U 20/11

BGB §§ 765 ff. (analog)

1. Die Patronatserklärung ist ein bürgschaftsähnliches Sicherungsmittel (vgl. Münchener Kommentar/Habersack, a. a. O., Vor § 765 BGB, Rdnr. 50 m. w. N.). Erfüllt der Schuldner die durch die Verpflichtung des Patrons gesicherte Verbindlichkeit nicht, so kann der Gläubiger letzteren ohne weiteres sofort auf Zahlung in Anspruch nehmen. Das gilt unabhängig davon, ob man mit der überwiegenden Meinung im Schrifttum die Hauptleistung des Patrons in der Ausstattungspflicht oder den eigentlichen Leistungsgegenstand in der Erfüllung der gesicherten Zahlungspflichten des Schuldners sieht und die Zahlungspflicht aus § 280 BGB a. F. herleitet (vgl. hierzu BGH Urteil vom 08. Mai 2003 – IX ZR 334/01 – WM 2003, 1178 m. w. N.). Die Möglichkeit der sofortigen Inanspruchnahme auf Leistung von Geld folgt aus Inhalt und Zweck dieses bürgschafts- und garantieähnlichen Rechtsinstituts (BGH Urteil vom 30. Januar 1992 – XI ZR 112/01 – BGHZ 117, 127). Die Verpflichtung des Patrons gegenüber dem Gläubiger ist akzessorisch, setzt somit den Bestand einer zu sichernden Hauptforderung voraus, wobei auch eine künftige Forderung genügt. Die §§ 765 ff. BGB finden grundsätzlich entsprechende Anwendung, ebenso die aus dem Sicherungszweck der Bürgschaft folgenden Einschränkungen der Akzessorität, §§ 767, 768 BGB (vgl. Müko/Habersack, a. a. O., Vor. § 765 BGB, Rdnr. 50).

2. Ansprüche aus einer Bürgschaft sind nicht selbstständig abtretbar (vgl. BGH NJW 1985, 2528; BGHZ 115, 177 = NJW 1991, 3025; OLG DüsseldorfBitte wählen Sie ein Schlagwort:
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WM 2003, 1318). Nach der Rechtsprechung des BGH ist die Abtretung der Rechte aus der Bürgschaft ohne eine Abtretung der Hauptforderung unwirksam, die Gläubigerrechte aus der Bürgschaft verbleiben dem Gläubiger der Hauptforderung (vgl. Urteil des BGH vom 19. September 1991- IX ZR 296/90 – BGHZ 115, 177 m. w. N.). Dies ist auf die (harte) Patronatserklärung, der ein bürgschaftsähnlicher Charakter zukommt und auf die die Vorschriften der §§ 765 ff, 401 BGB grundsätzlich entsprechende Anwendung finden (vgl. Münchener Kommentar/Habersack, BGB, 5. Auflage, Vor. § 765 BGB, Rdnr. 50), übertragbar.

3. Eine Patronatserklärung kann mit Wirkung für die Zukunft gekündigt werden, wenn die Parteien nach den Umständen des Einzelfalles ein entsprechendes Kündigungsrecht vereinbart haben (BGH, Urteil vom 20. September 2010 – II ZR 296/08 – BGHZ 187, 69). Die Rechtsprechung zur Kündbarkeit einer Bürgschaft ist auf die Patronatserklärung entsprechend anwendbar. Die ordentliche Kündigung kommt nur bei unbefristeten Bürgschaftsverträgen in Betracht, wobei sie unabhängig vom Vorliegen eines wichtigen Grundes und nur nach einer angemessenen Zeit und mit einer angemessenen Frist möglich ist (Münchener Kommentar/Habersack, a. a. O., § 765 BGB, Rdnr. 55 mit Nachweisen; Palandt/Sprau, BGB, 71. Auflage, § 765 BGB, Rdnr. 16). Nach der Rechtsprechung ist eine ordentliche Kündigung von (unbefristeten) Bürgschaftsverträgen in einer gewissen Zeit zur Wiederherstellung der Freiheit der Vertragschließenden in jedem Falle möglich (vgl. §§ 567, 624, 723, 724 BGB, vgl. BGH Urteil vom 21. Januar 1993 – III ZR 15/92 – WM 1993, 897 = NJW-RR 1993, 944). Für den Kreditbürgen hat der BGH erkannt, dass dieser nach Treu und Glauben die Bürgschaft nach Ablauf eines gewissen Zeitraumes oder bei Eintritt besonders wichtiger Umstände mit der Wirkung kündigen kann, dass die Bürgschaft sich auf die Verbindlichkeiten beschränkt, die im Zeitpunkt der Kündigung bereits begründet waren (vgl. BGH Urteil vom 04. Juli 1985 – IX ZR 135/84 – WM 1985, 969; BGH Urteil vom 21. Januar 1993 – III ZR 15/92 – a. a. O.). Auch der Mietbürge, der sich auf unbestimmte Zeit für Verbindlichkeiten eines Mieters ohne ausdrückliche Vereinbarung eines Kündigungsrechts verbürgt hat, hat nach diesen Grundsätzen das Recht, die Bürgschaft mit Wirkung für die Zukunft durch Kündigung zu beenden (Bub/Treier/v. Martius, Handbuch der Geschäfts- und Wohnraummiete, 3. Auflage, III, Rdnr. 830 a; Sternel, Mietrecht aktuell, 4. Auflage, Rdnr. III, 220 ; Wolf/Eckert/Ball, Handbuch des gewerblichen Miet,- Pacht- und Leasingrechts, 10. Auflage, Rdnr. 812; offen gelassen von BGH Urteil vom 20.07.2011 – XII ZR 155/09 – WM 2011, 1731; bejaht von OLG DüsseldorfBitte wählen Sie ein Schlagwort:
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Urteil vom 24.11.1998 – 24 U 264/97 – a. a. O.; KG, Urteil vom 26.04.2007 – 12 U 193/05; LG Berlin Urteil vom 11.10.2000 – 32 O 858/99; AG Iserlohn WuM 2004, 544). Der Bürge, der sich aus seiner Haftung für die Zukunft befreien will, hat allerdings auf die berechtigten Interessen des Gläubigers (Vermieters) und des Hauptschuldners (Mieters) Rücksicht zu nehmen und eine angemessene Frist einzuhalten, damit sich diese auf die veränderte Lage einstellen können. Der Mietbürge hat sich folglich daran zu orientieren, innerhalb welcher Fristen der Vermieter seinerseits das Mietverhältnis beenden kann (Bub/Treier/v. Martius, a. a. O., Rdnr. 830 a mHa; Wolf/Eckert/Ball, a. a. O., Rdnr. 812; vgl. so auch OLG DüsseldorfBitte wählen Sie ein Schlagwort:
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Urteil vom 24.11.1998 – 24 U 264/97 – a. a. O.). Bei befristeten Mietverhältnissen ist eine vorzeitige Enthaftung des Bürgen ausgeschlossen (vgl. Bub/Treier/v. Martius, a. a. O., Rdnr. 830 a; KG, Urteil vom 26.04.2007 – 12 U 193/05 – a. a. O.; Wolf/Eckert/Ball, a. a. O. Rdnr. 811).

Schlagworte: Kaufmännische Bürgschaft, Patronatserklärung

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