BGH, Beschluss vom 26. April 2010 – II ZR 69/09

HGB §§ 161, 105; BGB § 705

a) Die actio pro socio hat ihre Grundlage im Gesellschaftsverhältnis und ist Ausfluss des Mitgliedschaftsrechts des Gesellschafters. Der Gesellschafter hat das Recht, Sozialansprüche gegen Mitgesellschafter für die Gesellschaft im Wege der actio pro socio geltend zu machen. Im Personengesellschaftsrecht ist dieses Recht unumstritten (st. Rspr.: RG, Urteil vom 8. Juni 1917 – Rep. II 618/16, RGZ 90, 300, 302; RG, Urteil vom 26. Oktober 1917 – Rep. II 198/17, RGZ 91, 34, 36; RG, Urteil vom 22. Oktober 1938 – II 58/38, RGZ 158, 302, 314; BGH, Urteil vom 17. Juni 1953 – II ZR 205/52, BGHZ 10, 91, 101; BGH, Urteil vom 27. Juni 1957 – II ZR 15/56, BGHZ 25, 47, 49).

b) Die Ausübung der Klagebefugnis ist begrenzt und unterliegt der gesellschafterlichen Treuepflicht (BGH, Urteil vom 27. Juni 1957 – II ZR 15/56, BGHZ 25, 47, 50; BGH, Beschluss vom 2. Juni 2008 – II ZR 67/07, NJW-RR 2008, 1252, 1253).

c) Unter diesem Blickwinkel kann sich nach den konkreten Gesellschaftsverhältnissen, zu denen auch das Verhalten des sich auf die Befugnis berufenden Gesellschafters gehört, als rechtsmissbräuchlich darstellen.

d)  Für die Zulässigkeit der Klage bedarf es im Personengesellschaftsrecht keiner Zustimmung der übrigen Gesellschafter (BGH, Urteil vom 27. Juni 1957 – II ZR 15/56, BGHZ 25, 47, 50; BGH, Urteil vom 13. Mai 1985 – II ZR 170/84, NJW 1985, 2830, 2831; K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4. Aufl. 2002, S. 637; Wirth in: Münchener Handbuch des Gesellschaftsrechts, Bd. 2, 3. Aufl. 2009, § 7 Rn. 98).

e) Ob die actio pro socio im Recht der GmbH grundsätzlich subsidiär ist, bleibt offen.

Schlagworte: actio pro socio, Gesellschafterklage, Mittelbare Schädigung des Vermögens des Mitgesellschafters, Rechtsmissbrauch, Rechtsmissbräuchliche Gesellschafterklage, Treuepflicht, Treuepflicht in der GmbH, Vorrang der inneren Zuständigkeitsordnung der Gesellschaft

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