BVerfG, Beschluss vom 7. November 2006 – 1 BvL 10/02

Art 3 Abs 1 GG, § 6 BewG 1991, § 9 Abs 1 BewG 1991, § 9 Abs 2 BewG 1991, § 10 BewG 1991, § 11 Abs 1 BewG 1991, § 11 Abs 2 BewG 1991, § 11 Abs 4 BewG 1991, § 12 Abs 1 BewG 1991, § 31 BewG 1991, § 33 Abs 3 Nr 2 BewG 1991, § 95 BewG 1991, § 96 BewG 1991, § 97 BewG 1991, § 98 BewG 1991, § 99 BewG 1991, § 103 BewG 1991, § 104 BewG 1991, § 109 Abs 1 BewG 1991, § 109 Abs 2 BewG 1991, § 137 BewG 1991, § 138 Abs 2 BewG 1991, § 138 Abs 3 BewG 1991, § 140 Abs 2 BewG 1991, § 10 ErbStG 1997 vom 27.02.1997, § 10 ErbStG 1997 vom 19.12.2000, § 12 ErbStG 1997 vom 27.02.1997, § 13a ErbStG 1997 vom 27.02.1997, § 13a ErbStG 1997 vom 24.03.1999, § 15 ErbStG 1997 vom 27.02.1997, § 15 ErbStG 1997 vom 24.03.1999, § 19a ErbStG 1997 vom 27.02.1997, § 19a ErbStG 1997 vom 24.03.1999, § 19a ErbStG 1997 vom 19.12.2000, § 19 Abs 1 ErbStG 1997 vom 27.02.1997, § 19 Abs 1 ErbStG 1997 vom 19.12.2000, § 28 ErbStG 1997

1. Die durch § 19 Abs. 1 ErbStG angeordnete Erhebung der Erbschaftsteuer mit einheitlichen Steuersätzen auf den Wert des Erwerbs ist mit dem Grundgesetz unvereinbar, weil sie an Steuerwerte anknüpft, deren Ermittlung bei wesentlichen Gruppen von Vermögensgegenständen (Betriebsvermögen, Grundvermögen, Anteilen an Kapitalgesellschaften und land- und forstwirtschaftlichen Betrieben) den Anforderungen des Gleichheitssatzes aus Art. 3 Abs. 1 GG nicht genügt.

2.a) Die Bewertung des anfallenden Vermögens bei der Ermittlung der erbschaftsteuerlichen Bemessungsgrundlage muss wegen der dem geltenden Erbschaftsteuerrecht zugrunde liegenden Belastungsentscheidung des Gesetzgebers, den durch Erbfall oder Schenkung anfallenden Vermögenszuwachs zu besteuern, einheitlich am gemeinen Wert als dem maßgeblichen Bewertungsziel ausgerichtet sein. Die Bewertungsmethoden müssen gewährleisten, dass alle Vermögensgegenstände in einem Annäherungswert an den gemeinen Wert erfasst werden.

b) Bei den weiteren, sich an die Bewertung anschließenden Schritten zur Bestimmung der Steuerbelastung darf der Gesetzgeber auf den so ermittelten Wert der Bereicherung aufbauen und Lenkungszwecke, etwa in Form zielgenauer und normenklarer steuerlicher Verschonungsregelungen, ausgestalten.

Aufgrund der gesetzlich angeordneten Berücksichtigung der Ertragsaussichten und der Ausgestaltung dieser Anordnung durch das Stuttgarter Verfahren kann es bei besonders ertragstarken Kapitalgesellschaften zu einem deutlich höheren Steuerwert als bei Betriebsvermögen kommen (vgl. Viskorf, in: Viskorf/Glier/Hübner/Knobel/Schuck, a.a.O., Vor § 12 ErbStG Rn. 42), der in Extremfällen sogar den gemeinen Wert im Sinne eines Verkehrswerts übersteigt (vgl. Jülicher, in: Troll/ Gebel/Jülicher, a.a.O., § 12 Rn. 308; Göllert/Ringling, DB 1999, S. 516 <518>). Demgegenüber können anlageintensive, aber ertragschwache Unternehmen sogar noch stärker von der Übernahme der Steuerbilanzwerte profitieren (vgl. Herzig/ Kessler, DStR 1994, Beihefter zu Heft 12, S. 13; Christoffel, GmbHR 1993, S. 205 <207>; Noll, DStR 2002, S. 1699 <1702>; Jülicher, a.a.O., § 12 Rn. 469).

Schlagworte: Grenzen des Stuttgarter Verfahrens

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